Wolf im Schafspelz

Er ist kein bisschen leise geworden, aber die Umstände haben ihn wohl domestiziert. Anders als zu seiner Hochzeit bei Volkswagen, in der Klaus Kocks selbstgefällig durch sein PR-Reich flanierte, kann er heute Räson annehmen. Umstrittene Auftraggeber reizen ihn aber weiterhin – wie der Asylheim-Betreiber European Homecare. Solche Kunden wecken seine Kampfeslust. Von Bijan Peymani

Die Rollen waren verteilt, es hätte ein schöner Fight werden können. Und dann tanzt der Andere aus der Reihe. Der „Andere“ ist Klaus Kocks, der stellenweise so klingt, als wolle er sein Image vom „Enfant terrible“ der Zunft zertrümmern. „Je älter ich werde, desto mehr wird mir klar, wo ich wirklich Scheiße gebaut habe – übrigens manchmal aus Dummheit und sehr oft aus Übermut.“ Man wollte sich an dem inzwischen 65-Jährigen so gerne reiben, nur wie?

Kocks bleibt sich treu, aber er hat gelernt, geschmeidiger zu sein. Zumindest erweckt er in diesem Gespräch erfolgreich den Anschein. „Gezwungenermaßen“ habe er sich nach seinem Leben in der Großindustrie, vor allem im Automobilreich von Volkswagen, zum Mittelständler entwickeln müssen. Kocks steuert die eigenen Angaben zufolge knapp 20 Mann starke Beratungs-Boutique Cato in der Westerwälder Provinz – benannt nach dem ob seiner Streitlust und Verstandesschärfe so titulierten römischen Politiker Marcus Porcius Priscus.

König in der Provinz

„Es ist angenehmer, Millionen-Etats bei Volkswagen für Hering Schuppener zu verballern, als sein Geld als Mittelständler verdienen zu müssen“, sagt der Kommunikationsberater und Publizist. Schärfer wird er nicht gegenüber seinem Ex-Arbeitgeber. Er hat seinen Frieden offenbar gemacht: „Ich vermisse die Zeit in der Großindustrie überhaupt nicht und rede nach wie vor über Volkswagen mit Respekt, was nicht alle tun.“ Mit Cato laufe es „sehr ordentlich“, und Geltung sei doch „immer nur ein relatives Kriterium“. Lieber König in der Provinz als Herzog in der Metropole.

Über seine Mandanten spricht Kocks nicht („wäre für mich sittenwidrig“). Über die Medien wird dennoch mancher Name bekannt. Demnach sekundierte Cato dem streitbaren Unternehmer Utz Claassen im Clinch mit dem nicht minder streitbaren Carsten Maschmeyer. Es geht um eine Firmenbeteiligung und um verletzte Eitelkeiten. Im PR-Ring: Kocks mit seiner kleinen Bude gegen die Münchner Maschine CNC. Maschmeyer-Kumpel Béla Anda ist wohl auch mit von der Partie. David gegen Goliath? „Das klingt moralisch anspruchsvoll“, entgegnet Kocks, „aber von der Größenordnung her ist das richtig.“

Knurrer Kocks

Es sei sein Geschäftsmodell, sich auf die Seite des vermeintlich Unterlegenen zu schlagen. Das reizt ihn auch als Sprecher von European Homecare. Der bundesweit größte private Asylheim-Betreiber steht seit Längerem in der Kritik, weil die Firma sich an der Flüchtlingswelle eine goldene Nase verdient haben soll.

Das gilt übrigens auch für das Deutsche Rote Kreuz oder die Caritas – die vermeintlich Guten. „Private Dienstleister, die im öffentlichen Bereich Gewinn machen, werden im antikapitalistischen Klima, das wir in Deutschland haben, natürlich kritischer gesehen“, knurrt Kocks. Prinzipiell gehe Cato Engagements „nach unseren eigenen politischen und moralischen Grundsätzen“ ein. Für Mandaten, die man annehme, müsse man sich aber öffentlich rechtfertigen wollen. „Und dann gehen wir schon zur Sache.“

Sein Ziel war, ist und bleibt, den Gegner nach allen Regeln der Kunst auszupunkten. Ihm das vorzuwerfen, ist etwa so geistreich, wie einen Anwalt für seine Verteidigungsstrategie zu schelten. Fast fing man an, Kocks gern zu haben. Doch plötzlich beißt er wieder, die gefühlte Altersmilde ist verflogen: „Ich habe meine Pubertät nachweislich nicht beendet, und ich bin nicht harmoniesichtig!“ Nach einer Phase der Gesetztheit sei er „heute wieder der, der ich mit 18 war“, sagt der bekennende Linke, der seit 40 Jahren SPD-Mitglied ist.

Das Thema führt ihn zur Frage, welche Gestaltungskraft Politik noch hat („eher mehr als weniger“) und wie sich die Medien in diesem Spiel verhalten. „sie nehmen die Minderung ihrer eigenen Ansprüche sogar dort in Kauf, wo es ökonomisch keine Gründe dafür gibt“, ätzt Kocks und geißelt den „Grad an Schönfärberei“. Sollen sie sich doch alle ruinieren, er selbst verspürt eine ungeteilte Lust an seinem Tun, bekennt gar, einmal im Amt sterben zu wollen. Kocks ist so sehr bei sich, dass er für viele schon wieder ganz weit weg erscheint.

Quelle: PR Report 3/2017

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