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Cato d. Ältere und seine Bedeutung

Der römische Politiker Marcus Porcius Cato ist eine nach wie vor kontroverse Erscheinung der römischen Geschichte. Für die einen ein Leuchtfeuer gegen die Dekadenz, ein Genie in rhetorischer wie politischer Hinsicht. Für die anderen ein „langsamer Kopf, sinnlich wie sittlich ohne Leidenschaft, von dürrer Langweiligkeit“ (Mommsen). Cato hat sich über sein rednerisches Können in den Geschichtsbüchern verewigt. In einer hochkontroversen Phase soll er seine zahlreichen Ansprachen zu den unterschiedlichsten Themen stets mit dem Satz geschlossen haben: „Im übrigen bin ich der Meinung, dass Kathargo zerstört werden sollte“ („Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“). Im Dritten Punischen Krieg folgte Rom schließlich dem beredsamen Cato. Das ceterum censeo gehört seitdem zu den bekanntesten rhetorischen Figuren.

Kein aufgeklärter Geist würde Cato heute noch als Vorbild für unsere politische Kultur empfinden. Er durchlief in der römischen Politik den „cursus honorum“ bis zum Amt des Konsuls und wurde schließlich Zensor, ein Amt, das er zu fragwürdigem Rigorismus nutzte. Von den 44 politischen Prozessen aber, die seine zahlreichen Gegner gegen ihn anstrengten, verlor er keinen. Cato gewann und sicherte seinen Einfluss durch sein rhetorisches Vermögen und eine konsequente öffentliche Inszenierung seiner Anliegen; heute würde man dies strategisches Kommunikationsmanagement nennen.

Die Schicksale von Unternehmen auf dem Kapitalmarkt zeigen ebenso wie politische Karrieren oder der Aufstieg und Fall großer Marken, dass Glanz und Elend eng beieinanderliegen. Strategisches Kommunikationsmanagement bedarf auch in der „nachrömischen“ Welt der wissenschaftlichen Fundierung, der empirischen Kontrolle und eines interdisziplinären Zugriffs, vor allem aber industrieseitiger Erfahrungen aus einem komplexen internationalen Geschäft. Damit es einem nicht ergehe wie den Puniern, die zwar das Geld erfunden haben, aber es dann an die Römer abführten.