Nazis in Uniform

In der Bundeswehr finden sich Nazis; das verwundert nicht. Ewiggestrige gibt es überall. Was macht die Bundeswehr mit ihnen, wenn sie auf braun gesinnte Soldaten stößt? Zum Beispiel, weil diese ihre braune Gesinnung auch noch seitenlang ausformulieren? Sie macht Akademiker aus den Nazis in Uniform und befördert sie zu Offizieren.

Völkische Gesinnung und rassistische Hetze hindern beim Bund nicht an der Karriere. Das gilt auch bei Verwendung für die Polizei der Truppe, Feldjäger genannt. Den Militärischen Abschirmdienst, der uns vor braunem Terror aus den eigenen Reihen bewahren soll, hält die Führung raus. Das wiederum nennt man Korps-Geist. Erst wenn sich die Gentlemen dann noch in Terrorismus versuchen und den Bundespräsidenten ermorden wollen, scheint das Maß voll.

 

Röschen mit Dornen

Ursula von der Leyen, einst Röschen genannt, ist um ihren Job nicht zu beneiden. Sie muss für Dinge haften, die sie nicht verschuldet hat. Unsere Armee wirkt wieder wie eine Truppe von Trotteln. Man erwartet, dass die Bundesverteidigungsministerin durchgreift. Die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt muss sich dabei vor einen wirklichen Sauladen stellen und darf dessen Ehrgefühl nicht verletzen. Die Herrschaften, die wir im Kriegshandwerk ausbilden lassen, also dem legitimen Töten, erweisen sich als Seelchen sensibelster Art, wenn es um ihre Ehre geht. Offensichtliche Skandale bei den Mannschaften und peinliches Versagen in der Führung will als Einzelfall hier und Einzelfall dort vertuscht sein. Man ekelt sich als Zivilist vor den Schmuddelecken der Casinos.

 

Parallelgesellschaft

Machen wir uns ehrlich: Der Autor dieser Zeilen hat nicht gedient. Es galt in meiner Generation als schlau, den Wehrdienst zu umgehen. Dazu dienten die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen und eine geschickte Beeinflussung der medizinischen Eignungsprüfung, Musterung genannt. So wurde ich Kriegsdienstverweigerer und Ersatzreserve II, konnte also unbeschwert studieren. Bin ich darauf noch immer stolz? Nein. Mein Sohn hat sich verantwortungsbewusster als sein Vater verhalten; er hat sich nicht um den Zivildienst gedrückt. Also sage ich für meine Generation, wir fanden uns schlau, waren aber nicht klug. Wir haben die Parallelgesellschaft in den Kasernen nie kennengelernt. Das darf das Militär aber nicht sein, eine Welt aus eigenem Recht.

 

Primat der Politik

Ursula von der Leyen hat als Ministerin ein doppeltes Problem; wenn es nicht sogar drei oder vier Dinge sind, die sie diskreditieren. Sie ist erkennbar eine Frau, die eine Männergesellschaft befehligen darf. Sie ist als Spross eines ehemaligen Ministerpräsidenten und als Medizinerin ferner eine höhere Tochter mit akademischer Bildung. Das nimmt Schütze Arsch als soziale Deklassierung wahr. Sie rückt der geordneten Gesellschaft von Casino-Lametta und Rüstungsindustrie mit Managementwissen zu Leibe. Die Schweißfüße in den Stiefeln mögen aber keine McKinsey-Pumps. Sie gilt schließlich als mögliche Nachfolgerin Merkels. Dann nähme das Zeitalter der Muttis auf dem Feldherrnhügel nie ein Ende. Schlimm genug, dass wir eine Parlamentsarmee haben, muss es auch noch eine Pussytruppe sein? Das höre ich so von den Staatsdienern am Gewehr.

 

Harte Hand

Man sollte Röschen Dornen wünschen. Diese Truppe muss mit harter Hand geführt werden. Die Herrschaften verfügen über Massenvernichtungswaffen. Da ist Schlendrian fehl am Platze. Alles, was gegen Ursula von der Leyen zu sprechen scheint, spricht für sie. Ich will als Bürger Köpfe rollen sehen, auch dann, wenn sie auf Generalsuniformen stecken.

 

(Erschienen bei http://www.salonkolumnisten.com am 03.05.17)

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