Die Römischen Verträge – Grundstein der heutigen EU

Das Datum ihrer Unterzeichnung wird als die Geburtsstunde der Europäischen Gemeinschaft gefeiert: Am 25. März 1957 wurden in Rom im repräsentativen Saal der Horatier und Curiatier im Konservatorenpalast die sogenannten Römischen Verträge abgeschlossen. Mit ihnen sollten die Weichen für die Einheit Europas gestellt werden. Tatsächlich ist aus der damaligen Sechser-Gemeinschaft unterdessen auch eine Union von derzeit noch 28 Mitgliedsstaaten erwachsen. Doch zu ihrem 60sten Geburtstag scheint die „ältere Dame“ EU für viele an Attraktivität eingebüßt zu haben: Sie wird von ihren Kritikern als außer Form geratene, herrschsüchtige und kleinkarierte „Xanthippe“ wahrgenommen, die mehr fordert, als sie zu geben bereit ist.

Im Jahr 1957 hingegen, als hochrangige Vertreter der Regierungen Frankreichs, Italiens, Belgiens, der Niederlande, Luxemburgs und der noch jungen Bundesrepublik Deutschland in Rom die Verträge zur

Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG, Euratom) – genannt die Römischen Verträge – unterschrieben, war die Stimmung noch eine völlig andere. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs waren damals noch höchst präsent und die verantwortlichen Politiker sehr bemüht, die vorherigen Kriegsgegner, insbesondere die sogenannten Erzfeinde Frankreich und Deutschland, unter einem europäischen Dach zu vereinen. Dies sollte der gemeinsamen wirtschaftlichen Prosperität ebenso dienen wie dem nachhaltigen Erhalt des Friedens in Europa.

Mit den Römischen Verträgen unternahmen die sechs Unterzeichnerstaaten im März 1957 – nach der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS bzw. Montanunion) im Jahr 1951 – den nächsten wichtigen Schritt auf dem Weg zur europäischen Integration. Das Vertragspaket zielte speziell darauf ab,

  • eine Zollunion mit einem gemeinsamen Außenzoll zu errichten,
  • interne Handelshemmnisse ab- und einen gemeinsamen Markt aufzubauen,
  • Bewegungsfreiheit für Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital sicherzustellen sowie die
  • Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu intensivieren.

Die Bedeutung der Römischen Verträge, die inzwischen als „Gründungsdokumente“ der heutigen Europäischen Union (EU) gewürdigt werden, insbesondere für Deutschland wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Kapitulation des Nazi-Regimes erst zwölf Jahre und die Gründung der Bundesrepublik nur acht Jahre zurücklag. Mit dem römischen Vertragswerk wurde Deutschland damals zu einem gleichwertigen Mitglied der europäischen Staatengemeinschaft.

Nicht vergessen werden sollte auch, dass dem Abkommen über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG, Euratom) 1954 der fehlgeschlagene Versuch vorausgegangen war, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) zu etablieren. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an dem ablehnenden Votum der französischen Nationalversammlung. Das hätte die Bestrebungen nach einer fortschreitenden europäischen Integration empfindlich einbremsen können, wenn deren Befürworter nach dem Scheitern der EVG nicht zu dem Schluss gekommen wären, dass eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit das passende Fundament für ein gemeinsames europäisches Haus darstellen könnte: Nach der Devise Frieden sichern durch Wohlstandsvorteile für alle. Daraus folgte der Gedanke der Zollunion und der Errichtung eines gemeinsamen Marktes.

Der EAG-Vertrag wurde in den 1950er Jahren als notwendige Ergänzung zu dem EWG-Abkommen erachtet, weil zu jener Zeit die Atomenergie noch als eine wichtige Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung der Industriestaaten galt. Der am 25. März 1957 in Rom unterzeichnete Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Vertrag für die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) traten am 1. Januar 1958 in Kraft.

Die Römischen Verträge legten vor sechzig Jahren den Grundstein für Europa in seiner heutigen Form, stellten EU-Offizielle anlässlich des Jahrestages der Unterzeichnung fest. Sie feierten das Datum als Auftakt zur längsten Friedensperiode in der europäischen Geschichte. Tatsächlich wurde mit den Römischen Verträgen ein gemeinsamer Markt geschaffen, in dem Menschen, Waren, Dienstleistungen sowie Kapital frei zirkulieren können. Damit bildeten die Verträge eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand und Stabilität innerhalb der EU.

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