Die 48er: Wichtiger Deutscher Beitrag zur Demokratieentwicklung in den USA

Der Beitrag Deutscher zur Geschichte der USA ist hierzulande inzwischen nicht mehr präsent. Anders in den Vereinigten Staaten selbst: Dort sind sich nicht nur Historiker sehr wohl bewusst, welch wichtigen Einfluss deutsch stämmige Männer und Frauen auf die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der USA hatten. Auch in der Bevölkerung sind insbesondere die sogenannten „Forty-Eighters“ weiterhin ein Begriff. Denn diese Menschen trugen mit ihren Ideen und ihrem Idealismus viel dazu bei, dass die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde und sich die Vereinigten Staaten zu einer Demokratie entwickelten.

Anders als viele andere Emigranten aus Europa, die zu jener Zeit aus wirtschaftlichen Gründen ihr Heil in Amerika suchten, waren die „48ers“ politische Flüchtlinge. In Deutschland – wie in zahlreichen anderen europäischen Staaten auch – waren die Lebensbedingungen damals für Viele bestimmt durch Wirtschaftskrisen, grassierende Arbeitslosigkeit und Armut. Hinzu kam eine allgemeine politische Unzufriedenheit insbesondere in einem zunehmend selbstbewusster werdenden Bürgertum, das mehr politische Mitsprache und Freiheit wünschte sowie die Willkür bzw. fehlende Legitimation des monarchischen Obrigkeitsstaates kritisierte. In Versammlungen und bei Demonstrationen wurde der Ruf nach Grund und Freiheitsrechten, aber auch nach nationaler Einheit immer lauter. Um diesen revolutionären Forderungen ihre Dynamik zu nehmen, erklärten sich die adeligen Machthaber in den deutschen Einzelstaaten zunächst zu einigen Zugeständnissen bereit und stimmten 1848 auch der Einberufung einer Nationalversammlung zu. Sie sollte einem deutschen Nationalstaat den Weg bereiten.

Doch das Parlament in der Frankfurter Paulskirche scheiterte im April 1849 mit seiner Absicht, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum „Kaiser der Deutschen“ zu wählen. Dieser wies den ihm angetragenen Titel mit der Begründung zurück, er sei Monarch von Gottes Gnaden. Derweil gewannen die restaurativen Tendenzen in Deutschland wieder die Oberhand, die Nationalversammlung löste sich Ende Mai 1849 selbst auf und die letzten revolutionären „Widerstandsnester“ wurden mit militärischer Gewalt bezwungen. Den Schlusspunkt unter die deutsche Revolution setzte im Juli 1849 die Einnahme der Festung Rastatt.

Das Scheitern des Aufstands bedeutet jedoch nicht auch das Ende der dahinterstehenden Ideen. Zahlreiche Revolutionäre, nicht nur deutsche, die aus der Heimat fliehen mussten, setzten sich über unterschiedliche Stationen nach Amerika ab und nahmen ihr fortschrittliches Gedankengut dahin mit. Einige mussten sich dort als Landwirte durchschlagen und wurden wegen ihres gebildeten Hintergrunds als „Latin Farmers“, also Bauern mit Lateinkenntnissen, verspottet. Andere wiederum betätigten sich auch in der neuen Umgebung politisch, gründeten Zeitungen, riefen Unternehmen ins Leben – nicht zuletzt Brauereien – und nahmen aktiv, einige sogar prägend, Anteil am öffentlichen Leben.

Als ein herausragendes Beispiel für die Forty-Eighters – oder zu Deutsch 48er – und als einer der bekanntesten von ihnen kann Carl Schurz gelten, ein 1829 in Liblar geborener Rheinländer. Er wirkte in Deutschland kurz vor seiner Flucht noch unter Einsatz seines eigenen Lebens an der Befreiung seines ehemaligen Geschichtsprofessors Gottfried Kinkel mit. Als Revolutionär in Deutschland zum Tode verurteilt, konnte er sich dem Erschießen durch Flucht entziehen. Schurz folgt seinem Freund Kinkel 1852 in die USA und arbeitet dort zunächst als Journalist für deutsche Zeitungen. Er engagiert sich bei den Republikanern, weil diese Partei sich gegen die Sklaverei ausspricht, und unterstützt Abraham Lincoln bei seiner Präsidentschaftskandidatur. Schurz, inzwischen als Notar und Anwalt niedergelassen, macht sich zudem einen Namen als Redner, der nicht nur seine deutschstämmigen „Landsleute“ zu begeistern vermag. Seine zentralen Themen sind immer wieder Freiheit und Gleichheit als Grundlagen der amerikanischen Gesellschaft – Werte, die aus seiner Sicht mit Sklaverei unvereinbar sind.

Mit diesem Hintergrund meldet sich Schurz im amerikanischen Bürgerkrieg freiwillig als Soldat bei den Unionisten und bringt es beim Militär bis zum Generalmajor. Auch viele andere „Alt48er“ engagieren sich in der Armee der Nordstaaten. Nach der Niederlage der Konföderierten warnt Schurz davor, dass das Verbot der Sklaverei nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Rassendiskriminierung sei. Zeit seines Lebens setzt sich der deutsche Ex-Revolutionär für die Rechte der Afroamerikaner ein. Seine Bemühungen, „die Indianer zu zivilisieren“, sind dagegen heute sehr umstritten.

Schurz wird 1869 Senator von Missouri, er wird US-Innenminister unter Präsident Rutherford B. Hayes, er war geschätzter Berater Präsident Abraham Lincolns. Bei Schurz‘ Tod würdigt ihn sein persönlicher Freund Mark Twain für seine „unbefleckte Ehrenhaftigkeit, seinen unangreifbaren Patriotismus, seine hohe Intelligenz, seinen Scharfsinn“. Damit trug der ehemalige deutsche „Revoluzzer“ viel zur demokratischen Entwicklung der USA bei. Deshalb genießt Schurz dort bis heute hohen Respekt, während er hierzulande nur noch wenigen bekannt ist.

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